Magazine ARTINVESTOR, 08/2010. WATCHLIST: ALJOSCHA
 
Vorder- und Seitenansicht von Object 41, Acrylfasern, 2007, 44 x 44 x 26 cm
Artinvestor’s watchlist
Aljoscha erschafft mit seinen Plastiken und Zeichnungen komplizierte, organisch anmutende Formen. Der in Düsseldorf arbeitende Künstler mag die Komplexität: Seine Werke seien nicht anders, als die Welt, die uns umgibt, sagt er.
Text JOHANNA HUNDER
Es gibt in der Kunstwelt diese ewig-gültigen Wahrheiten. Etwa diese: Künstler lassen sich von der Natur inspirieren. Das war schon immer so. Weiß doch jeder. Für die heutige Zeit trifft das nur noch begrenzt zu. Und doch wie eine solche Inspiration im 21. Jahrhundert aussehen kann, zeigt das Werk des Künstlers Aljoscha.
Denn seine filigranen Strukturen erwecken den Eindruck, als hätte der Künstler sie unter einem Mikroskop entdeckt. Wie unkontrollierte Wucherungen sehen die einen aus, andere wie komplexe wohlgeordnete Organismen. Bei wieder anderen seiner Arbeiten denkt man an Korallen, Schwämme oder Kristalle. Diese verästelten Fantasiegebilde sind alle auf seltsame Weise mit Leben erfüllt. Der Betrachter wird das Gefühl nicht los, sie würden klammheimlich weiterwachsen, sobald er sich abwendet.
Dabei sind diese geheimnisvollen Formen nichts als Acrylfarbe. In teils monatelanger Arbeit trägt der aus der Ukraine stammende Künstler kleinste Mengen der Farbe auf, bis sich aus den Schichten dreidimensionale Formen herausentwickeln. Eine festgelegte Idee vom gewünschten Endergebnis hat er dabei nicht. Stattdessen lässt er Schritt für Schritt die kleinteiligen Formen wachsen. Diese ungewöhnliche Ästhetik entspricht einem noch ungewöhnlicheren Zukunftstraum: „Mein Wunschmedium ist lebendige, von mir selbst konzipierte Materie“, erklärt der Künstler seine Vision, deren Gewagtheit er sich jedoch bewusst ist. Sich selbst sieht er als offenen und skeptischen Menschen zugleich. Er verfolgt interessiert die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Bio- und Gentechnologie, etwa die Forschung von Craig Venter, des sogenannten Herrn der Gene.
Auch die Zeichnungen, die er von seinen Objekten anfertigt, nehmen eine wichtige Position in seinem Œuvre ein: „Es sind die Anweisungen, mit welchen Gefühlen die konkreten Objekte interpretiert werden sollen und können.“ Interessant ist daher zu hören, dass der Künstler bereits als Schüler nach der Komplexität suchte, zu einer Zeit als er seine Schule in der Ukraine in Ingenieurzeichnung-Wettbewerben vertreten durfte: „Nur die üblichen geraden Linien waren mir eben ein wenig zu einfach, und ich suchte schon damals innerlich nach einem Weg, die Zeichnung zum Leben zu erwecken.“ Ein künstlerisches Ziel, dem er sich bis heute verschrieben hat.
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